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Archiv der Kategorie Argentinien
Über den Pass
12.2.2007 by Eric Pawlitzky.
Das wichtigste zuerst: wir haben alles gut überstanden und nix ist passiert. Pünktlich um 08.00 h haben wir Copiapo verlassen und fuhren in der noch flach stehenden Sonne zunächst auf einer in der Karte als Schotterpiste besserer Art ausgewiesenen Straße, die sich jedoch als erstaunlich glatt und festgefahren zeigte.
Während der gesamten 470 km, die wir an diesem Tag (Sonntag, 11.02.07) fuhren, sollten uns ca. 15 andere Autos auf der Strecke begegnen, darunter das des deutschen Botschafters von Chile, einem wortkargen Menschen. Die erste menschliche Begegnung hatten wir an einer kleinen Hütte am Straßenrand. Vater und Sohn saßen nach einer durchfrorenen Nacht in der Sonne und wärmten sich auf. Wir hielten und Claudia begann ein kleines Gespräch. Bei leben von den Ziegen, die sie halten, gelegentlich arbeitet der jüngere in der Mine. Früher hätten an dieser Stelle noch weitere Menschen gelebt. Aber die Winter werden wärmer und trockener, was die spärlichen Weiden hergeben, reicht nur noch für zwei. Auch nicht für Käse, denn die Ziegen geben zu wenig Milch. Wir haben uns mit einem kleinen Geschenk aus unseren Obstvorräten verabschiedet.
Auf dieser Höhe setzten die ersten Symptome der Höhenkrankheit ein. Wir hatten alle drei etwas Kopfschmerzen, wie nach einer durchzechten Nacht mit zu kurzem Schlaf fühlte sich das an. Mit war etwas schwummerig und ich befolgte streng den Rat, heftige Kopfbewegungen, schnelle Schritte und jede Anstrengung zu vermeiden. Fahrerwechsel, aber das „Schlimmste“ lag schon hinter uns. Bald erreichten wir die Laguna Verde, einen türkisfarbenen Bergsee, die Ränder voller Salz. Wir machten eine Pause, liefen etwas herum, es war sonnig, windig, aber nicht kalt.
Dann allerdings war Simon die ganze Sache doch zu heftig, er wurde blass und schlief im Auto recht schnell ein. Bald hatten wir – bei bester Sicht auf zahlreiche Sechstausender – den höchsten Punkt des Passes (4.748 m) überschritten. Die Formalitäten an der argentinischen Zollstation waren nicht ganz so aufwendig. Dann – auf argentinischem Gebiet – erwies sich die Passstraße als Piste in Autobahnqualität, auf der wir mit teilweise 130 km/h einsam und allein auf sanftem Gefälle talabwärts rollten. Riesige Halden aus Vulkanasche, Lavabrocken, etwas Gelbgras. Die Kopfschmerzen verschwanden, Simon wurde wieder munter, alle hatten gute Laune. Wir machten erneut Rast in einem breiten Tal. Eine salzverkrustete Wiese, ein Bach, Flamingos, Guanakos, keine Büsche, keine Bäume. Dann wurde die Landschaft immer abwechslungsreicher. Felsformationen und Schutthalden in unterschiedlichen Farben: gelb, ocker, grün, rot und immerzu blauer Himmel. Erste Sedimentformationen tauchten auf, oft bizarr verwittert. 
Dann auch wieder Menschen. Doch die in der Karte ausgewiesenen ersten Orte erwiesen sich lediglich als winzige Weiler. Erst in Fiambala eine Herberge. Ein etwas verdrecktes Zimmer. Wenn man die Dusche anmacht, steht das Klo unter Wasser. Zum Glück gibt es hier kein Frühstück.

…der Blick aus unserem Hotelfenster in Fiambala …Aber gleich im Nachbarhaus ist ein Museum, in dem wir zwei Indiomumien besichtigen konnten. Die offenbar wohlhabende Frau und der an Kriegsverletzungen gestorbene junge Mann wurden nach 1.500 Jahren im trockenen Sand 1997 von Straßenbauarbeitern gefunden. Unser Fazit: die Strecke ist nicht nur landschaftlich sehr empfehlenswert. Wir hatten statt der angedrohten 13 Stunden auch nur knapp 10 Stunden inklusive Pausen und Zollabfertigung gebraucht. Die Alternative wäre die um mehr als 1.000 km längere Strecke über Antofagasta und San Pedro gewesen. Am Abend des 11.02. hatten wir noch ein Interview mit Christian (rosa T-Shirt), der uns auffiel, weil er mit einem aus Schrott gebauten Gefährt den Dorfplatz befuhr und aus einer Extra-Batterie die Bässe dröhnen ließ. Er ist arbeitsloser Automechanliker, lebt bei seinen Eltern.
Heute (12.02.) erreichten wir Aimogasta. Nach zwei schofligen Quartieren residieren wir jetzt in einem 4-Sterne-Hotel, Claudia ist mit Simon im Pool. Die Strecke von Fiambala hier her ist landschaftlich sehr schön. Die Straße verläuft durch ein breites Tal, in dem sich Olivenhaine und Weinplantagen mit Sanddünen und Schuttablagerungen abwechseln. Parallel verläuft eine alte Bahntrasse, von Schmelzwasser unterspült.

Wir sind seit drei Tagen abseits der touristischen Pfade unterwegs. Das erfordert Kompromisse bezüglich der Infrastruktur. Mobilfunkempfang gibt es nicht. Die Hotelbetreiber haben teilweise sehr schlichte Vorstellungen davon, was ein Gast erwartet. Kulinarische Höhepunkte sollte man nicht suchen. Aber das ursprüngliche hat seinen Reiz, die Gegend hat gewisse eine interessante Zukunft. An der Passtrasse in etwa 2.000 m Höhe bauen die Argentinier ein Hotel. Der schöne Straßenbelag auf argentinischer Seite war jedoch eine Konzession an die Minenbetreiber, die man nach ersten Goldfunden zu Investitionen bewegen will.
Geschrieben in Chile, Argentinien | Keine Kommentare »
Über die Anden
3.2.2007 by Eric Pawlitzky.
Am 29.01.07 mussten wir leider einen kleinen Edelflop über uns ergehen lassen. Die Passage mit Boot und Bus über die Anden, die uns vom Reiseveranstalter als besonders empfehlenswert angepriesen wurde, erwies sich als mäßige Kaffee-Fahrt.
Nicht zum ersten Mal gaben unsere Reisunterlagen nur dürftige Informationen preis. Dort stand, das Boot würde um 07.30 h gehen. An die damit verbundene Aufstehzeit mussten wir uns erst mal wieder gewöhnen. Am Abend zuvor erkundigten wir uns jedoch noch einmal am Hafen über die Formalitäten. Dort wurde uns gesagt, wir sollten mit Gepäck um 07.45 da sein, es würde dann um 08.00 h losgehen und zwar nicht mit dem Boot, sondern erst mal mit dem Bus. Also waren wir mit Gepäck um 07.45 da. Wir mussten uns noch mal an einem Ticketschalter anstellen, dann wurden unsere Rucksäcke auf einen LKW verladen. Der Bus jedoch wurde uns für 09.00 h angekündigt. Also zogen wir mit langen Gesichtern wieder in das zum Glück nicht weit entfernte Hotel, wo man uns – obwohl bereits ausgecheckt – noch einen Tee gönnte.
Mit dem Bus fuhren wir dann ca. 25 km zum Bootsanleger. Im Bus wurden uns gleich Formulare für den Grenzübertritt Argentinien-Chile gegeben, die wir nun bereits zum x-ten Male ausfüllen durften. Bei der Fahrt durch Bariloche, das sich über fast 40 km am Seeufer hinzieht, wurde unser Eindruck von der das Stadtbild prägenden Architektur vertieft. Es ist ein Mix aus Altneubauten der 60iger und 70iger Jahre und einem merkwürdigen Wurzeltroll-Stil mit viel geschwungenem Holz. Ein skurriles Sammelsurium aus Kitsch, Protz, Mief und Biederkeit. Herbert Roth hätte es vielleicht gefreut. Dann bestiegen wir nach einer Ticketkontrolle einen Katamaran voll mit lärmenden Rentnern, schreienden Babies und einem Reiseführer, der in gebrochenem Englisch mit schnarrenden Lautsprechern den Motor zu übertönen suchte. Wir fuhren durch eine Landschaft, die etwa mit der Bleilochtalsperre zu vergleichen ist.
Ein Fotograf an Bord lockte die Passagiere mit Keksen, mit denen sie wiederum die Möwen anlockten. Das brachte schöne Bilder und einen guten Verdienst für den Fotografen. Dummerweise auch einen Verletzten – die Möwe biss Simon in den Daumen.
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Wir landeten nach ca. einer Stunde in einem Hafen, an dem es ein Hotel, und in einiger Entfernung eine Imbissbude und ein kleines Naturschutzzentrum gab. Dort erfuhren wir dann, dass es in dieser Gegend nahezu täglich regnet oder schneit. Nach einer Stunde bestiegen wir ziemlich durchnässt einen Bus, der uns über holprige Waldwege zum nächsten See fuhr.
Dort ging es nach einer erneuten Ticketkontrolle wieder auf ein Boot, welches uns durch Nebel und Regen zur argentinischen Grenzstation brachte. Wir bekamen alle eine Nummer zugerufen und mussten uns zur Passkontrolle in genau dieser Reihenfolge anstellen. Alle noch mal pullern und dann wieder in den Bus. Denn die chilenische Grenzstation liegt 25 km entfernt und für diese Strecke benötigt der Bus fast 2 Stunden, weil es wieder über Waldwege ging.
In Chile wurden dann nicht nur erneut die Pässe kontrolliert, jeder musste auch seinen Rucksack in Empfang nehmen. Dieser wurde dann (erstmals auf der ganzen Reise) nach alter Sitte gefilzt, weil es streng verboten ist, bestimmte Lebensmittel nach Chile einzuführen. Unsere Äpfel haben sie aber nicht gefunden. Dann wurden die Rucksäcke wieder auf den LKW geladen.

Chile empfing uns jedoch mit einer milden Landschaft, gepflegten Gärten und vor allem Sonne. Wir konnten von der Grenzstation zum Bootsanleger einen kleinen Spaziergang machen. Dann wieder Ticketkontrolle, aufs Boot und zur Entschädigung für den ganzen Zinnober Sonne und einen Blick auf den erloschenen und schneebedeckten Osorno-Vulkan - letzter Ausbruch 1850 - dessen Form ein wenig an den Fudshiama erinnert.
Diese Passage über die Anden wurde übrigens von zwei Europäern vor ziemlich genau 100 Jahren erstmals als Verkehrslinie eingerichtet. Damals gab es den Panama-Kanal noch nicht, auf Eisenbahnlinien, die die Anden über- oder durchqueren, konnten die sich immer wieder streitenden Nachbarn Chile und Argentinien nicht einigen. Also ein damals lohnendes Geschäft, das heute durch die (ahnungslosen) Touristen weiter gut läuft.
Nach dem Empfang unseres Gepäckes wurden wir am Bootsanleger von Hubert, dem Chef der Bavaro Beach Lodge, empfangen, der uns mit seinem Pickup abholte.
Jetzt residieren wir erst mal eine Woche am Ufer des Llanquihue-Sees (Ich habe mich nicht vertippt! Alter Indianername…) mit Strand und Blick auf den Vulkan. Die Umgebung ist etwas verrückt: Werbung für bayerisches Bier, im Garten Palmen, Schafe, Hunde, Katzen – alles friedlich nebeneinander. Leider auch die etwa drei Zentimeter langen, angriffslustigen „Cabanos“, Bremsen ähnlich, die uns vor allem in der Sonne ständig umschwirren.
Simon hat wie immer alles bestens überstanden. Gestern hat er erstmals ganz allein seinen Pass an der Grenze vorgelegt und damit den Grenzbeamten beeindruckt (er konnte kaum über den Tisch gucken …). Alle in der Zollstation haben applaudiert und auch wir waren stolz, denn die Grenzkontrollen waren ihm bisher nie recht geheuer, er war immer etwas nervös.
Geschrieben in Chile, Argentinien | Keine Kommentare »