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San Jose
Das ist jetzt das wirklich letzte aus Costa Rica. Es wäre ja unfair, beim Besuch eines Landes die Hauptstadt zu ignorieren. Aber, liebe Freunde, dieses zu groß gewordene Dorf mit verirrten Hochhäusern hätte es nicht anders verdient, als ignoriert zu werden. Wir wollten das den Reiseführern nicht glauben. Wir mussten dran glauben.
Dennoch: wir fanden eine wirklich gute Galerie für aktuelle Malerei, die erste überhaupt in Südamerika, auf die wir stießen. Es gab gute Arbeiten zu sehen, vor allem Druckgrafik, die übrigens zusammen mit kleinen Gedichtbändchen verkauft wird. Man erwirbt ein Buch und eine Graphik. Das haben wir dann auch getan, zumal der Galerist sehr nett war und erfreut auf unser Lob und unsere Ermutigungen reagiert hat. Es gibt also nicht nur Volkskunst und Kunsthandwerk, auch wenn es die Künstler mit Sicherheit sehr schwer haben werden, wenn sie sich nicht dem kommerziellen Mainstream beugen. Es gibt in San Jose noch einzelne alte Häuser aus der Jahrhundertwende und den dreißiger und fünfziger Jahren, die durch Solidität aus dem Rahmen fallen. Dazwischen viel Gesichtslosigkeit, nichts einladendes. Ein Gymnasium habe ich fotografiert, und Claudia stelle später fest, dass es von Gustav Eiffel errichtet wurde.
Am 11.03. haben wir in San Jose noch das Kindermuseum besucht. Ein Mix aus Disneyworld und Experimentarium in einem alten Gefängnis. Dort befindet sich auch die Nationalgalerie, in der allerdings keine vor dem Jahr 2000 datierten Arbeiten zu sehen waren. Dann wollten wir noch das historische Opernhaus ansehen. Es wird erdrückt von Neubauten aus den siebziger Jahren an einem Platz der in die Fußgängerzone mündet. Dort fanden wir das Kaufhaus von Juan Knöhr, dem Verwandten eines Freundes aus München, Baujahr 1914 und das erste größere Kaufhaus Costa Ricas.
Unsere letzten Colones haben wir im Restaurant des Grand Hotels verspeist. Es ist ein sehr stilvolles Haus aus den 30iger Jahren. Beeindruckend für mich vor allem die Fotos aus der glanzvollen Vergangenheit der Stadt, in der es damals sogar eine Straßenbahn gab. Fotos aus den Vororten könnten jedoch durchaus auch aus der Gegenwart stammen, es hat sich fast nichts verändert im Vergleich zum damaligen Stadtbild. Das ist alles offenbar das Los der Tourismusindustrie, die die landschaftlichen Reize zubetoniert und die unspektakuläre Hauptstadt sich selbst überlässt. Doch Marvin, der Hotelbesitzer erklärte: „Sollen doch die Amerikaner kommen und sich austoben. Was bleibt uns andere übrig, wenn die Ticos selbst nichts machen, nicht aus der Hüfte kommen.“ Marvin beschäftigt in seinem kleinen Firmenimperium, dass er nach fünf Jahren Schulbildung und Jobs als Busfahrscheinverkäufer, Bote, Fahrer, Verkehrspolizist, Gärtner und schließlich Bauunternehmer und Hotelier aufgebaut hat, etwa 100 Leute. Er hat sich über dem kleinen Osori eine neuzeitliche Villa errichtet und sich bei der Einrichtung des Schlafzimmers am Schloss Neuschwanstein orientiert. Deutschland kennt er nämlich von einer Reise, bei der er Erfahrungen im Gewächshausbau sammeln wollte.
Der Tag klang aus mit der Such nach dem Flughafen (!) im schilderlosen Costa Rica, wo wir unseren Mietwagen abgaben, um dann die nächsten acht Stunden mit Zwischenlandung in El Salvador im Flugzeug zu verbringen.
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