Im Nordwesten Spaniens – Vigo

Der Pawlitzky bastelt gern“ hieß es einst in meiner Stasi-Akte. Ein Satz, der mich belustigte, denn die Bastelei hatte ihren Grund im katastrophalen Möbelangebot der DDR und zugleich in dem vergleichsweise guten Angebot an Schnittholz im thüringischen Jena.

Der Spanier betoniert gern“ möchte man ausrufen angesichts der Bauorgien, die in den letzten Jahrzehnten das galizische Vigo heimgesucht haben. Das nachstehende Foto beschreibt Vigo eigentlich ganz gut: Die Stadt liegt am Meer, hat einen der größten europäischen Industrie-Fischerei-Häfen, es gibt viele große Häuser aus Granit und Beton, breite Straßen für viele Autos, wenig Touristen (jedenfalls sind auf dem Bild keine zu sehen, was keine Fälschung ist) und etwa 300.000 Einwohner.

                      Eric Pawlitzky-035615

Nach Vigo kamen wir über unser Wohnungstauschportal www.hausfauschferien.de. Ja, und das sind Aussichten von dem ganz typisch-authentischen Block, den wir jetzt für einige Tage bewohnen.

Eric Pawlitzky-035639

Unten eine wunderbare Bäckerei, deren Waren ich schon in Herz und Magen geschlossen habe. Es gibt deutsches Brot!

Eric Pawlitzky-035812

Und das ist der Blick aus dem Fenster an meinem Schreibtisch. Davor befindet sich eine Art Balkon mit Wintergarten, dem hier gewiss der Winter fehlt. Bei der Gestaltung des Geländers hätte man hier etwas abgucken können:

Eric Pawlitzky-035623

Doch ich will die Stadt nicht all zu garstig beschreiben. Vigo liegt in einer Bucht, einer Ria – so nennen die Spanier das, was die Norweger Fjorde nennen.

Hier ein Blick vom Burgberg, der zu Zeiten der Franko-Diktatur als Hinrichtungsstätte diente, wovon außer einer Tafel nichts mehr kündet.

Eric Pawlitzky-035652

Von der Burg sieht man auch eine der Investruinen: die insolvente Brotfabrik mitten in der Stadt.

Eric Pawlitzky-035670

Die Brotfabrik folgte dem Schicksal der Tiefkühlfabrik. Beides Immobilien in Top-Lage, noch zu haben für diverse Loft-Projekte, wie sie gerade in Berlin so beliebt sind.

Eric Pawlitzky-035778

Neben den zahllosen Betonburgen, in denen die Bürger hier ihre Eigentumswohnungen eingerichtet haben, besitzt der Ort auch eine sehr schöne Altstadt.

Die Hügel in der Umgebung gliedern die Landschaft und bescheren der Stadt eine Vielzahl von Treppen.

Eric Pawlitzky-035618

Eine besondere Attraktion ist die schwebende Treppe von Vigo, die leider nur kurze Zeit zu sehen war und jetzt bestenfalls noch rollt.

Eric Pawlitzky-035630

Gerollt wurde auch bei einem irren Festival für BMXer, Skater und Breakdancer, welches an der Hafenpromenade stattfand.

Eric Pawlitzky-035710

Eric Pawlitzky-035718

Eric Pawlitzky-035704

Und die Spanier erfinden ständig neue Möglichkeiten der Fortbewegung.

Eric Pawlitzky-035739

Vigo hat einige sehr schöne Strände mit herrlichem Sand und viel Platz an trüben Tagen.

Eric Pawlitzky-035676

Von Vigo aus kann man schöne Ausflüge machen. Zum Beispiel nach Baiona, wie auch Vigo durch eine fette Durchgangsstraße und zahllose Tiefgaragen malträtiert, deren Anblick ich dem Leser hier ersparen möchte. Statt dessen gibt es einen Blick auf die Mündung des Rio Groba.

Eric Pawlitzky-035768

Man kann aber auch nach Porto in das benachbarte Portugal fahren. Dazu nimmt man den Dieseltriebwagen, der fast die wohlwollende Bezeichnung „historisch“ verdiente, aber jedes Wohlwollen ist unangebracht. Die lärmenden klapprigen Motoren pusten einen Teil der Abgase in das Innere der Waggons. Die Schaffner versuchen dem durch wechselndes Anschalten von Heizung und Kühlung Herr zu werden. Mal friert man, mal schwitzt man, aber immer stinkt es nach frischem Kohlenmonoxid. Gleichwohl: man ist nach gut zwei Stunden Fahrt durch schöne Landschaften mitten in Porto und gelangt abends auf die gleiche Weise zurück nach Vigo.

Acht Stunden Porto. Dasreicht zum Anfixen und Staunen. Hier einige Eindrücke.

Da ist zunächst mal der phänomenale Bahnhof:

Eric Pawlitzky-035816

Es sind zahllose wunderschöne Gassen.

Eric Pawlitzky-035821

Dann findet man imposante Gründerzeitbauten, die auf den alten Reichtum dieser Hafen-und Handelsstadt schließen lassen.

Eric Pawlitzky-035832

Von diesem alten Reichtum ist aber auch einiges dem Verfall preisgegeben. Etwa die Hälfte der unter UNESCO-Welterbestatus stehenden Altstadt scheint nur noch aus der Fassade zu bestehen.

Eric Pawlitzky-035845

Neben einer nagelneuen Metro darf auch eine alte Straßenbahn noch einge Runden durch die City drehen, so weit das denn die Massen an katalysatorlosen Autos zulassen.

Eric Pawlitzky-035863

Angesichts des etwas trüben Wetters haben wir dem Museum für zeitgenöissische Kunst einen Besuch abgestattet. Das liegt in einem Park außerhalb des Stadtzentrums, ist ein architektonischer Hingucker und kann auch mit der Sammlung absolut punkten.

Eric Pawlitzky-035871 Eric Pawlitzky-035867

In Porto wie auch in Vigo laden zahllose Cafes zum Trödeln ein. Das ist ein wirkliches Stück Kultur.

Eric Pawlitzky-035876

Und diese zahllosen Kneipchen und Cafes werden auch gebraucht. Denn zwischen 14.30 und 17.00 h kommt siestabedingt das Leben hier so gut wie zum Erliegen. Alles hockt dann in der Gastronomie rum, die so sicherlich ein gutes Auskommen hat. Aber auch die für unsere Verhältnisse äußerst bescheidene Ausstattung der Küche unserer Gastgeber mit Tellern, Gläsern und Besteck lässt darauf schließen, dass man vor allem außerhalb isst.

Also nochmals einige Eindrück von Vigo und seiner Gastronomie:

Eric Pawlitzky-035656

Eric Pawlitzky-035773 Eric Pawlitzky-035775

Von Vigo aus gibt es Ausflugsboote zu den Islas Cies, die recht malerisch wie eine Kette vor der Bucht liegen. Für deutlich weniger Geld kann man mit der Fähre aber auch nach Cangas an das gegenüberliegende Ufer der Ria fahren. Dieses Städtchen wurde von autogerechten Plänen noch einigermaßen verschont. Es ist geradezu verträumt und lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

Eric Pawlitzky-035888 Eric Pawlitzky-035889

Von der Fähre hat man einen ganz guten Blick auf die Bucht.

Eric Pawlitzky-035905

Kein schöner Ort der Welt ist unentdeckt

Trotzdem sind wir dem deutschen Weihnachtstrubel nach Lanzarote entflohen. Eine Flucht mit Hindernissen. Denn Simon bescherte der Familie kurz vor der dann um einige Tage verschobenen Abreise noch eine Streptokokkeninfektion. Die fesselte ihn dann glatt auch am 24.12. ans Bett, so dass wir kurzerhand aus dem Heiligen Abend einen fröhlichen Morgen machten.

20081224-_mg_0254.jpg

Wir hatten ein kleines Reihenhäuschen als Quartier.

20081228-_mg_0573.jpg

In einem Dörfchen, in dem überwiegend deutsche und britische Menschen nackt herumliefen. Mit Rücksicht auf auf unsere angeschlagenen Gesundheiten haben wir trotz der angenehmen 20°C nicht mitgemacht, nicht einmal nackt baden waren wir.

Lanzarote hat wunderschöne Himmel, erloschene Vulkane

20081229-_mg_0819.jpg

Vorführgeysire. Einen Eimer Wasser in das Bohrloch und zwei Sekunden später schießt die Dampffontäne aus dem heißen Boden in den Himmel. Im Restaurant im Hintergrund gibt es diverse Fleischgerichte, die auf heißem Vulkangestein zubereitet werden.

20081229-_mg_0784.jpg

Bisher nicht in unserem Reiseführer beschrieben sind diese bizarren Investruinen, obwohl sie schon seit zehn Jahren prachtvoll herumstehen.

20090103-_mg_0912.jpg

Einer ordentlichen Erfassung harrt auch noch dieses wunderschöne Schiffswrack. Nur 200 m weiter nach Süden hätte der Kapitän damals steuern müssen und es wäre ganz normal in das Hafenbecken eingelaufen.

20090103-_mg_0960.jpg

Den Silvesterabend wollten wir mit Anja, Stephan und Corvin aus Jena verbringen.

20081231-_mg_0845.jpg

Aber Claudia lag im Bett und Eric wollte erste Besserungstendenzen nicht gefährden. Immerhin hat sich das Jahr 2008 mit einem wunderschönen Sonnenuntergang verabschiedet. Danke Anja und Stephan fürs fast vergebliche Kochen, danke, Corvin fürs Spielen mit Simon.

20081231-_mg_0849.jpg

Immerhin war stets einer von uns während des Urlaubes gesund. Leider wechselte die Rolle öfters, so dass wir von umfangreichen Wanderprogrammen Abstand nehmen mussten. Gesund blieben aber die Gormitis, Simons neue Leidenschaft und ein von ihm heiß begehrtes Sammlerobjekt. Da die Gormitits ja angeblich von einer vulkanischen Insel kommen, bestand eine gute Gelegenheit, sie ordentlich in Szene zu setzen.

20090101-_mg_0881.jpg

Ansonsten: Lanzarote verfügt über ein komfortables Straßennetz. Die EU hat nicht nur dies gefördert, sondern vermutlich auch einige der zahllosen Betonburgen, die die Hauptstadt Arecive schmücken. Im Unterschied zu manch anderer Touristenhochburg sind die Menschen aber ausgesprochen nett und die Dollarzeichen in den Augen sind nocht ganz klein, was sicherlich auch daran liegt, dass es den ständig auf der Insel lebenden Menschen sehr gut geht. Das war jedenfalls der Eindruck, den die mit frischem Schuhwerk versorgten Damen bei Eric hinterließen.

20090103-_mg_0997.jpg