Reisebilder - Claudia, Simon, Eric

Kategorie: Polen (page 4 of 4)

Gdansk, Kaschubien, Malborg, Torun, Poznan

Auf dem Weg nach Gdansk haben wir eine kleine Pause in Weiherowo gemacht. Auf dem Markt steht ein Denkmal des Stadtgründers Weyher, einem Deutschen.

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Und dort gibt es ein wunderbares Cafe mit Eis und verschiedenen Kuchensorten.

Eigentlich kann bei einem Besuch in Gdansk nichts schief gehen.

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Die Stadt ist geladen mit Geschichte, und selbst der Umstand, dass das meiste nach dem Krieg aus dem Nichts wiederhergestellt wurde, was sich beim Besuch der Höfe hinter den rekonstruierten Fassaden offenbart, kann den angenehmen Eindruck nicht stören.

Als störend empfanden wir die zahlreichen Buden des Dominikaner-Marktes, die nicht nur die Fassaden der schönsten Straßen verdeckten. Sie erschwerten auch das Vorwärtskommen. Und es gibt natürlich keine Dominikaner zu kaufen, sondern viel Kitsch, kiloweise Bernstein, Handwerksarbeiten und regionale Lebensmittel.

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Wir waren auf dem Turm der Marienkirche (400 Stufen).

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Eine Hafenrundfahrt hat uns bis zur Westerplatte geführt.

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Sehr beeindruckend – in einem alten Atombunker – war das Solidarnosc-Museum. Danke, liebe polnische Freunde. Ihr hattet allein in Gdansk 45 Tote bei Eurer gescheiterten Revolution 1981. Das ist uns erstaunlicherweise 1989 in der DDR erspart geblieben. Vielleicht durch die mutige Vorarbeit in Polen.

Quartier hatten wir übrigens im Internat der Musikhochschule, welches in der Saison als Hotel dient. Leider lag unser Zimmer an einer sechsspurigen Stadtautobahn mit Verstärkung durch eine Straßenbahn, was alles zusammen einen mächtigen Lärm gab.

Drei Tage waren wir im landschaftlich sehr schönen Kaschubien in der Kania Lodge.

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Wir konnten im See baden, segeln, Rad fahren und hatten zudem die sehr nette Gesellschaft zweier Familien aus Deutschland, mit denen wir uns sehr gut verstanden haben. Simon hatte zum ersten mal in seinem Leben einen lebendigen Frosch in der Hand.

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Über Malbork,

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eine riesige Burganlage der Kreuzritter, die Marienburg (größte verbaute Menge an Ziegelsteinen an einem Ort weltweit), sind wir nach Torun gefahren.

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Die Geburtsstadt von Kopernikus (oben ein Foto des Kopernikusdenkmals vor dem Rathaus) ist auch bei kühlem und windigem Wetter einen Besuch wert. 2016 soll sie Kulturhauptstadt Europas werden. Der Ort ist vom Krieg fast unversehrt geblieben und zeigt eine Altstadt voll mit den unterschiedlichsten historischen Bauwerken von Renaissance bis Jugendstil.

Auf dem Weg nach Poznan haben wir einen Zwischenstopp in Gniezno gemacht. Dieses Städtchen spielt in der polnischen Geschichte eine besondere Rolle, denn hier liegen die Wurzeln des ersten polnischen Königreiches, welches um das Jahr 1000 zunächst als Bistum seine Existenz fand. Jetzt kommen in dieser Stadt 25 Kirchen auf die 70.000 Einwohner, was einer der zahlreichen Zeichen der Dominanz der Institution Kirche in Polen ist.

Für Poznan haben wir lediglich einen verlängerten Nachmittag gehabt.

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Doch die Nähe zu Berlin wird uns wohl ein weiteres Mal in diese Stadt führen. Sie hat einen imposanten Markt voller Renaissancebauten. Am Ende einer Fußgängerzone fanden wir dann ein zur shoppingmall umgebautes Gaswerk.

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Da ist ein architektonisches Kleinod entstanden, was wir sicherlich erneut besuchen werden. Nicht ganz so kleinodienhaft war unsere Unterkunft im Hotel Rzymski unter dem erhitzten Dach mit Blick auf eine umtoste Straße.

Was sind sonst noch für Eindrücke aus Polen haften geblieben?

Noch in den Knochen und den strapazieren Sitzmuskeln stecken mir die polnischen Straßen.

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Die sind teilweise sehr romantisch, aber in einem miserablen Zustand und LKWs dürfen vermutlich deshalb meistens nur 70 fahren. Da es kaum Überholmöglichkeiten gibt, schleichen endlose Kolonnen dahin. Man fährt geruhsam und ist demgemäß auch auf kleineren Distanzen sehr lange unterwegs. Im Nordosten gibt es kaum Ortsumgehungen. Bahnstrecken werden nicht mit Überführungen überbrückt, sondern oft lediglich mit Warnlicht und Stoppschild gesichert. Also heißt es immer wieder stoppen …

Was die sprichwörtliche Schönheit der polnischen Damen betrifft – das konnte ich nicht so gründlich erkunden.

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Der Sommer brachte jedenfalls sehr knappe Röcke und sehr gewagte Dekolletees. Das verklärt natürlich eine objektive Beurteilung der Gesamterscheinung. Wie auch in Deutschland sind die Übergewichtigen beider Geschlechter auf dem Vormarsch.

Sehr angenehm sind die Freundlichkeit der Polinnen und Polen und deren Aufgeschlossenheit gegenüber Fremdsprachen. Mit Englisch und auch Deutsch kommt man bestens zurecht. Auch sind die Speisekarten nahezu ausnahmslos mehrsprachig zu haben. Simon durfte stets ohne Aufpreis seine Isomatte in unserem Hotelzimmer ausbreiten.

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Die Papstsouveniere sind aus den Marktständen verschwunden. Dafür stehen jetzt überall Denkmäler für Wojtyla.

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Wir wünschen Polen weiter Glück.

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Dass hier der Aufschwung nicht mit gigantischen Staatsschulden finanziert wurde, sieht man überall und auch die Spuren der Kriege sind keineswegs verschwunden. In Deutschland ist man leicht dabei, über die Billiglöhne in Polen zu schimpfen. Dass dort die Arbeitslosigkeit mit ca. 20% doppelt so hoch ist wie in Deutschland und die sozialen Sicherungssysteme eher dürftig sind, wird dabei leicht übersehen.

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Baulücken in der City von Poznan

Noch ist Polen nicht verloren …. denn wir verbringen dort unseren Sommerurlaub

Wir wollen das nördliche Polen entdecken. Damit die Überraschung nicht ganz so heftig ausfällt, haben wir für eine Woche ein Ferienhäuschen an der Ostseeküste gebucht. Dzwirzyno liegt westlich von Kolberg an der Ostseeküste.

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So sehen die Postkarten aus, die es von diesem Ort gibt.

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Und der Strand ist auch wirklich das, was von ihm versprochen wird. Supersauber, nette Wellen, klares Wasser, keine Quallen.

Das Hinterland ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Unser Ferienhaus: einsame Spitze. Aber die Umgebungsarchitektur – unbegreiflich. Da wird die Landschaft erst mit der sozialistischen Urlaubsidylle zugeballert – jetzt geht es mit neureichen Investments weiter. Die Einfallslosigkeit feiert weiter fröhliche Urstände und die Straßen sind fest in der Hand von Kitschbudenbetreibern und faast-food.

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An jedem Haus, jedem Gartenzaun, sogar an geparkten Autos Werbung für „Wolne Pokoje“ (freie Zimmer). Auf diese verheißungsvollen Offerten vertrauend, haben wir uns heute weiter nach Osten durch die Alleen geschaukelt, ab und zu mal in Urlauberstaus versinkend.

Doch in Rowy kam die Ernüchterung: Wolne Pokoje gibt es nur auf den zahllosen Werbeschildern. In Wirklichkeit ist alles gnadenlos ausgebucht. Man ist einfach zu faul oder nicht schnell genug, was das Entfernen der trügerischen Werbung betrifft. Da wir hier in der Gegend vor allem riesige Sanddünen besichtigen wollen, dachten wir der Rückzug ins Hinterland weg von der Küste hilft. Aber dort lassen Verfügbarkeit und Qualität der Quartiere schlagartig nach. So haben wir uns denn auf die Empfehlung des Reiseführers verlassen und uns in ein nicht sehr preiswertes Schlosshotel einquartiert.

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Was sonst noch so passierte: wir waren vor einigen Tagen nachts um drei mal kurz im Krankenhaus, weil Claudia die heftigen Schmerzen, die sich plötzlich im linken Oberarm und im Brustkorb einstellten nach meiner amateurhaften Diagnose („… könnte vom vielen Lesen kommen, oder Vorboten eines Herzinfarktes nach abruptem Stressabriss sein …“) nicht unbehandelt lassen wollte. Auch mir war recht mulmig zumute. Aber alles blinder Alarm und eine hämisch grinsende Nachtmannschaft. Simon, dem wir einen Zettel geschrieben hatten, hat die ganze Aufregung in seinem tiefen Schlaf nicht mitbekommen. Als wir wieder da waren, das war so gegen 06.00 h, schlief er noch immer.

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Simon hat allen seinen Mut zusammengenommen und ist mit Papa eine nicht sehr vertrauenserweckende Achterbahn gefahren. Die „Wilde Maus“ hätte in Deutschland den TÜV wahrscheinlich nicht mal mehr aus 100 m Entfernung passiert, wie mir hinterher so durch den Kopf ging. Simon ist ein paar Runden zweifelnd und mit sich ringend um das Teil herumgeschlichen. Aber die Mutprobe wurde gut belohnt: mit einem Lenkdrachen.

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Den haben wir in Kolberg gekauft. Kolberg ist deprimierend. Außer der alten Stadtkirche, die, nachdem sie im Krieg offenbar ein beliebtes Ziel der Artillerie gewesen ist, mühsam wieder aufgebaut wurde, steht fast keine Altbausubstanz mehr. Das eigentlich deprimierende ist jedoch das Bewusstsein, dass wir das unseren Vorfahren zu verdanken haben, von denen einige das zerstörte Kolberg am liebsten immer noch als das ihrige betrachten wollen.

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