Im Nordwesten Spaniens – Vigo

Der Pawlitzky bastelt gern“ hieß es einst in meiner Stasi-Akte. Ein Satz, der mich belustigte, denn die Bastelei hatte ihren Grund im katastrophalen Möbelangebot der DDR und zugleich in dem vergleichsweise guten Angebot an Schnittholz im thüringischen Jena.

Der Spanier betoniert gern“ möchte man ausrufen angesichts der Bauorgien, die in den letzten Jahrzehnten das galizische Vigo heimgesucht haben. Das nachstehende Foto beschreibt Vigo eigentlich ganz gut: Die Stadt liegt am Meer, hat einen der größten europäischen Industrie-Fischerei-Häfen, es gibt viele große Häuser aus Granit und Beton, breite Straßen für viele Autos, wenig Touristen (jedenfalls sind auf dem Bild keine zu sehen, was keine Fälschung ist) und etwa 300.000 Einwohner.

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Nach Vigo kamen wir über unser Wohnungstauschportal www.hausfauschferien.de. Ja, und das sind Aussichten von dem ganz typisch-authentischen Block, den wir jetzt für einige Tage bewohnen.

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Unten eine wunderbare Bäckerei, deren Waren ich schon in Herz und Magen geschlossen habe. Es gibt deutsches Brot!

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Und das ist der Blick aus dem Fenster an meinem Schreibtisch. Davor befindet sich eine Art Balkon mit Wintergarten, dem hier gewiss der Winter fehlt. Bei der Gestaltung des Geländers hätte man hier etwas abgucken können:

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Doch ich will die Stadt nicht all zu garstig beschreiben. Vigo liegt in einer Bucht, einer Ria – so nennen die Spanier das, was die Norweger Fjorde nennen.

Hier ein Blick vom Burgberg, der zu Zeiten der Franko-Diktatur als Hinrichtungsstätte diente, wovon außer einer Tafel nichts mehr kündet.

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Von der Burg sieht man auch eine der Investruinen: die insolvente Brotfabrik mitten in der Stadt.

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Die Brotfabrik folgte dem Schicksal der Tiefkühlfabrik. Beides Immobilien in Top-Lage, noch zu haben für diverse Loft-Projekte, wie sie gerade in Berlin so beliebt sind.

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Neben den zahllosen Betonburgen, in denen die Bürger hier ihre Eigentumswohnungen eingerichtet haben, besitzt der Ort auch eine sehr schöne Altstadt.

Die Hügel in der Umgebung gliedern die Landschaft und bescheren der Stadt eine Vielzahl von Treppen.

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Eine besondere Attraktion ist die schwebende Treppe von Vigo, die leider nur kurze Zeit zu sehen war und jetzt bestenfalls noch rollt.

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Gerollt wurde auch bei einem irren Festival für BMXer, Skater und Breakdancer, welches an der Hafenpromenade stattfand.

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Und die Spanier erfinden ständig neue Möglichkeiten der Fortbewegung.

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Vigo hat einige sehr schöne Strände mit herrlichem Sand und viel Platz an trüben Tagen.

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Von Vigo aus kann man schöne Ausflüge machen. Zum Beispiel nach Baiona, wie auch Vigo durch eine fette Durchgangsstraße und zahllose Tiefgaragen malträtiert, deren Anblick ich dem Leser hier ersparen möchte. Statt dessen gibt es einen Blick auf die Mündung des Rio Groba.

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Man kann aber auch nach Porto in das benachbarte Portugal fahren. Dazu nimmt man den Dieseltriebwagen, der fast die wohlwollende Bezeichnung „historisch“ verdiente, aber jedes Wohlwollen ist unangebracht. Die lärmenden klapprigen Motoren pusten einen Teil der Abgase in das Innere der Waggons. Die Schaffner versuchen dem durch wechselndes Anschalten von Heizung und Kühlung Herr zu werden. Mal friert man, mal schwitzt man, aber immer stinkt es nach frischem Kohlenmonoxid. Gleichwohl: man ist nach gut zwei Stunden Fahrt durch schöne Landschaften mitten in Porto und gelangt abends auf die gleiche Weise zurück nach Vigo.

Acht Stunden Porto. Dasreicht zum Anfixen und Staunen. Hier einige Eindrücke.

Da ist zunächst mal der phänomenale Bahnhof:

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Es sind zahllose wunderschöne Gassen.

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Dann findet man imposante Gründerzeitbauten, die auf den alten Reichtum dieser Hafen-und Handelsstadt schließen lassen.

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Von diesem alten Reichtum ist aber auch einiges dem Verfall preisgegeben. Etwa die Hälfte der unter UNESCO-Welterbestatus stehenden Altstadt scheint nur noch aus der Fassade zu bestehen.

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Neben einer nagelneuen Metro darf auch eine alte Straßenbahn noch einge Runden durch die City drehen, so weit das denn die Massen an katalysatorlosen Autos zulassen.

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Angesichts des etwas trüben Wetters haben wir dem Museum für zeitgenöissische Kunst einen Besuch abgestattet. Das liegt in einem Park außerhalb des Stadtzentrums, ist ein architektonischer Hingucker und kann auch mit der Sammlung absolut punkten.

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In Porto wie auch in Vigo laden zahllose Cafes zum Trödeln ein. Das ist ein wirkliches Stück Kultur.

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Und diese zahllosen Kneipchen und Cafes werden auch gebraucht. Denn zwischen 14.30 und 17.00 h kommt siestabedingt das Leben hier so gut wie zum Erliegen. Alles hockt dann in der Gastronomie rum, die so sicherlich ein gutes Auskommen hat. Aber auch die für unsere Verhältnisse äußerst bescheidene Ausstattung der Küche unserer Gastgeber mit Tellern, Gläsern und Besteck lässt darauf schließen, dass man vor allem außerhalb isst.

Also nochmals einige Eindrück von Vigo und seiner Gastronomie:

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Von Vigo aus gibt es Ausflugsboote zu den Islas Cies, die recht malerisch wie eine Kette vor der Bucht liegen. Für deutlich weniger Geld kann man mit der Fähre aber auch nach Cangas an das gegenüberliegende Ufer der Ria fahren. Dieses Städtchen wurde von autogerechten Plänen noch einigermaßen verschont. Es ist geradezu verträumt und lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

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Von der Fähre hat man einen ganz guten Blick auf die Bucht.

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